Informationsdienst

Infodienst Nr. 33 vom 24.09.2020

ZVG: Unverständnis über Industrieschutz

Entlastung bei CO2-Abgabe beschlossen

(ZVG) Mit Unverständnis reagiert der Zentralverband Gartenbau e. V. (ZVG) auf die am 23. September 2020 im Bundeskabinett beschlossenen Eckpunkte zum Schutz der Industrie im Brennstoffemissionshandel. Der ZVG fordert, zunächst die Sektoren festzulegen, die nur vom nationalen Emissionshandel betroffen sind, wie die kleineren und mittelständischen Unternehmen im Gartenbau. Stattdessen werden im ersten Schritt die Sektoren genannt, die bereits im EU-Emissionshandelssystem mit Carbon-Leakage-Maßnahmen geschützt wären.

„Wir befürchten, dass die im Kabinettsbeschluss aufgezählten Kriterien für die übergroße Mehrheit der Gartenbau-Unternehmen nicht greifen werden“, erläutert ZVG-Präsident Jürgen Mertz. Die potenzielle Ergänzung der Sektorenliste im Zuge des Verordnungsverfahrens greift viel zu spät.

Durch die CO2-Bepreisung im Bundesemissionshandelsgesetz (BEHG) werden die gärtnerischen Betriebe belastet. Das erschwert die Umstellung in erneuerbare Energien und Investition in Energieeffizienzmaßnahmen. Der ZVG hatte wiederholt vor der Mehrbelastung der gärtnerischen Unternehmen gewarnt und nötige Entlastungsmaßnahmen für die Branche aufgezeigt. Eine ausschließliche Kompensation über die Absenkung der EEG-Umlage, wie bisher geplant, hält der Verband bei weitem nicht für ausreichend.


Hintergrund:
Die Bundesregierung hat am 23. September 2020 beschlossen, dass künftig Unternehmen auf Grundlage einer sogenannten Carbon-Leakage-Verordnung im Rahmen des nationalen Brennstoffemissionshandels einen finanziellen Ausgleich beantragen können, sofern ihnen durch die CO2-Bepreisung Nachteile im internationalen Wettbewerb entstehen. Als Gegenleistung werden die begünstigten Unternehmen u.a. verpflichtet, ein Energiemanagementsystem zu betreiben und Mitglied in einem Energieeffizienznetzwerk zu sein.


Erster ZVG-Energietag 2020: Holz ist genug für alle da

Umstellungs- und Effizienzmaßnahmen im Fokus

(ZVG) Umstellungs- und Effizienzmaßnahmen waren die Themen des ersten digitalen Energietages des Zentralverbandes Gartenbau e. V. (ZVG) am 15. September 2020.

ZVG-Umweltreferent Dr. Hans Joachim Brinkjans erläuterte die Konsequenzen für den Gartenbau durch die geplante CO2-Bepreisung im Zuge des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG). Auf der Basis von Modellbetrieben stellte er detailliert die Belastung für die Branche vor. Die Entlastungen, die die Politik beispielsweise über eine Absenkung der EEG-Umlage vorsieht, sind dagegen für den Gartenbau nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Matthias Held vom Fachverband Holzenergie (FVH) und Georg Krämer von der Energieagentur NRW machten deutlich, dass auch mittelfristig genug Holz als Brennstoff für den Gartenbau zur Verfügung steht. Held informierte über die verschiedenen Holzsortimente und die jeweils verfügbaren Mengen, stellte Verwendungsszenarien der Holznutzung dar und verwies auf die sehr stabile Preisentwicklung hingewiesen. Krämer belegte die Fakten mit Modellrechnungen. Darüber hinaus erläuterte er Details zur Brennstoffqualität, der Betriebssicherheit und der Wirtschaftlichkeit.

Die Fördermöglichkeiten der Programme des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) thematisierte Technikberater Peter Berwanger. Sie bieten dem Gartenbau neben dem Bundesprogramm Energieeffizienz die attraktivsten Ansätze bei einer Umstellung auf erneuerbare Energien. Arne Wylkop vom Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) erläuterte die veränderten Förderschwerpunkte im neuen Bundesprogramm „Richtlinie zur Förderung der Energieeffizienz und CO2-Einsparung in Landwirtschaft und Gartenbau“. Künftig muss CO2 statt Energie eingespart werden. Darauf richtet sich die Förderquote aus. Neu ist außerdem die Förderung der regenerativen Eigen-Energieerzeugung.


Gemischte Bewertung zur ifeu-Studie zum Ökologischen Fußabdruck

Unvollständiger Ansatz bei Äpfeln kritisiert

(Fachgruppe/ZVG) Eine gemischte Bewertung nimmt die Fachgruppe Obstbau für die aktuelle Studie des Institutes für Energie- und Umweltforschung (ifeu) zum Ökologischer Fußabdruck von Obst und Gemüse vor. Fachgruppen-Geschäftsführer Joerg Hilbers begrüßt die Besserstellung von heimischem Obst in der Klimabewertung, gleichzeitig bedauert er die pauschale Abwertung der integrierten Produktion gegenüber dem ökologischen Anbau und verweist auf anders lautende Ergebnisse verschiedener Institute.

In der Studie wird der CO2-Fußabdruck für die Produktion von Äpfeln aus Deutschlands Anbauregionen zum Zeitpunkt April, also mit ULO-Lagerung, als deutlich klimafreundlicher bewertet als importierte neuseeländische Äpfeln im gleichen Monat. Das wird vor allem auf die enormen Transportwege mit dem Kühlschiff zurückgeführt.

Die Verfasser der Studie stellen außerdem fest, dass deutsche Bio-Äpfel gegenüber ebenfalls in Deutschland, aber nach den Richtlinien des Integrierten Anbaus produzierten Äpfeln, geringfügig vorteilhafter abschneiden. Dies wiederum wird mit dem Verzicht von konventionellen Stickstoffdüngern im Bioanbau begründet. Eine Herleitung, die Hilbers als unvollständig kritisiert. Der Ansatz für den CO2-Verbrauch von den im Bioapfelanbau eingesetzten Düngern wie Vinasse oder Haarmehlpelletts sei beispielsweise gar nicht bekannt. Andere Studien zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks sehen den Integrierten Anbau deutlich im Vorteil - aufgrund dessen etwa 25 % höheren Erträge und der im Bioanbau höheren Anzahl an Durchfahrten aufgrund von Bodenbearbeitung und engeren Pflanzenschutz-Behandlungsintervallen.

Die ifeu-Studie beschäftigt sich mit dem CO2-Fußabdruck von 188 Lebensmitteln, darunter 86 Obst- und Gemüseprodukte. Neben dem CO2-Abdruck geht es auch um den Phosphat-, Flächen- und Wasser-Fußabdruck sowie um den Energiebedarf.


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