Informationsdienst

Infodienst Nr. 16 vom 10.04.2017

Forschung für eine zukunftsfähige Agrar- und Ernährungswirtschaft in Deutschland

Positionspapier des Zentralausschusses der Deutschen Landwirtschaft

(ZdL/ZVG) Die Herausforderungen für die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft werden weiterwachsen: Klimawandel, Nachhaltigkeit, Flächenknappheit, Digitalisierung und Datenintegration sowie nicht zuletzt veränderte gesellschaftliche Anforderungen müssen gemeistert werden. Um diesen zukünftigen Herausforderungen weiterhin gerecht zu werden, fordert der Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft (ZdL) eine leistungsfähige und wissensbasierte Agrar- und Ernährungsforschung mit einer stärker interdisziplinären, praxisorientierten und internationalen Ausrichtung. Diese Anforderungen und Lösungsansätze aus Sicht der Agrarwirtschaft sind in einem Positionspapier zusammengefasst, dass der Zentralausschuss veröffentlicht hat. Das Papier wurde im Initiativkreis Agrar- und Ernährungsforschung gemeinsam mit den Verbänden des ZdL und der Agrarwirtschaft, Vertretern der Universitäten, Fachhochschulen, des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Ressortforschungsanstalten des Bundes erarbeitet.

Unter ökologischen, ökonomischen und sozialen Gesichtspunkten müsse die weitere Verbesserung der Ressourceneffizienz ein zentrales Ziel bleiben, so der Zentralausschuss. Dies gelte für den ökologischen und den konventionellen Landbau gleichermaßen. Neue Techniken sollten mit Blick auf die Umsetzbarkeit in der Praxis entwickelt werden. Gleichzeitig gelte es, die Maßstäbe für wissenschaftliche Leistung und Exzellenz nach Auffassung des Zentralausschusses weniger an Detailergebnissen, sondern im Sinne eines „Praxis-Impact-Faktors“ mehr am praktischen Nutzen für eine nachhaltige Agrar- und Ernährungswirtschaft auszurichten.

Das Positionspapier des Zentralausschusses geht ferner auf die spezifischen Herausforderungen der landtechnischen Forschung sowie der Pflanzenbau-, Tier- und Verbraucherforschung ein. Es kommt zu dem Schluss, dass die Agrar- und Ernährungsforschung in Deutschland eine angepasste Ausrichtung braucht: „Bund, Länder und Forschungseinrichtungen sind gefordert, gemeinsam mit der Branche neue Akzente zu setzen und mit einem entsprechend gesteuerten Mitteleinsatz zu unterstützen. Nur so gelingt es, den Agrarforschungsstandort Deutschland und damit auch die Agrar- und Ernährungswirtschaft zukunftsfähig zu gestalten.“

Der Zentralausschuss der Deutschen Landwirtschaft (ZDL) ist ein Zusammenschluss des Deutschen Bauernverbandes (DBV), des Verbandes der Landwirtschaftskammern (VLK), des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) sowie des Zentralverbandes Gartenbau e. V. (ZVG) als ständigem Gast.

Das Positionspapier können Sie hier herunterladen:


Girls´Day 2017 - Junge Frauen für den Beruf Gärtner begeistern

Planen Sie Ihre Aktion zum bundesweiten Mädchenzukunftstag am 27. April 2017

(ZVG) Am 27. April 2017 findet der bundesweite „Girls´Day – Mädchenzukunftstag“ statt. Dieser Berufsorientierungstag hat das Ziel, junge Frauen für Berufe zu begeistern, in denen sie eher selten vertreten sind. Der Girls´Day ist ein wirksames Instrument der Nachwuchsgewinnung geworden. Dafür bietet der Zentralverband Gartenbau e. V. (ZVG) Gärtnereien, die sich am Girls´Day beteiligen wollen, zahlreiche Materialien für die Planung und Durchführung eines Aktionstages an.

„Der Girl`s Day ist eine wunderbare Möglichkeit, junge Frauen an unseren Beruf heranzuführen. Seit mehreren Jahren gestalte ich aktiv diesen Tag und habe immer interessierte Teilnehmerinnen gefunden. Der Eintrag in die bundesweite Datenbank macht es einfach und die Aktionen im Betrieb sprechen sich rum. Ich denke auch wegen diesem Tag ist der Frauenanteil in vielen Fachrichtungen des Gartenbaus erfreulich hoch“, so Ralf Kretschmer, Vorsitzender des ZVG-Ausschusses Berufsbildung und Bildungspolitik.

Die Nachwuchskoordinatoren der Landesverbände und Frau Hübner als bundesweite Koordinatorin des ZVG sind gern behilflich, einen Aktionstag zu gestalten.
Melden Sie Ihre Aktionen dem ZVG, dann können diese auch in den sozialen Medien begleitet werden.

Kontakt:
Anja Hübner, zvg.huebner@g-net.de, 030 200065 - 124


Die Garten- und Dorfkultur verändert sich dramatisch

(DGG/ZVG) Die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 e.V. (DGG) veranstaltete am 30. März .2017 einen Parlamentarischen Abend im Berliner Paul-Löbe Haus, um auf die dramatischen Veränderungen der grünen Freiflächen im ländlichen Raum hinzuweisen. Zahlreiche Politiker aus der Bundes- und der Kommunalpolitik folgten der Einladung. „Die DGG greift bewusst dieses bislang wenig beachtete Thema auf. Wir sehen uns als Vordenker, um gemeinsam Lösungen zu diskutieren und gelungene Praxisbeispiele aufzuzeigen“, so DGG Präsident Prof. Dr. Klaus Neumann.

In seinem Eingangsstatement skizzierte DGG Präsident Prof. Dr. Klaus Neumann die dramatischen Entwicklungen von grünen Freiflächen im ländlichen Raum: „Wir stellen eine Überfüllung der Städte fest und eine Entleerung des ländlichen Raumes. Friedhöfe werden zu Betonflächen, Vorgärten zu Kiesflächen. Die Garten- und Dorfkultur verändert sich dramatisch. Die DGG greift bewusst dieses bislang wenig beachtete Thema auf. Wir sehen uns als Vordenker, um gemeinsam Lösungen zu diskutieren und gelungene Praxisbeispiele aufzuzeigen.“

Der Bundestagsabgeordnete Josef Göppel (CDU/CSU) sorgte sich ebenfalls um die Entwicklung im ländlichen Raum. Insbesondere die Änderung des Städtebaurechts sieht er sehr kritisch: „Kommunen können ganz unbürokratisch im „beschleunigten Verfahren“ bis Ende 2019 am Ortsrand Bauland ausweisen.“ Dies sei ein Schritt in die falsche Richtung und führe weiter zur Verödung des Dorfkerns. Er forderte daher ein neues politisches Konzept.

Frank Baumgarten, Vorsitzender der Stiftung Landleben, setzt sich für den Erhalt und die Förderung der ländlichen Wohnkultur ein und berichtete von erfolgreichen Maßnahmen aus Thüringen, wo älteren Bürgern ein Häusertausch angeboten wird. In die größeren Häuser ziehen dann wiederum junge Familien ein. „Das Veröden ganzer Dörfer kann aufgehalten werden, wenn die politische Unterstützung da ist“, so Baumgarten.

„Von der Bundesgartenschau 2015 profitiert die Havelregion bis heute“, berichtete die Oberbürgermeisterin der Stadt Brandenburg an der Havel, Dr. Dietlind Tiemann (CDU). Auch Frau Dr. Tiemann appellierte an die Politik als auch an die Bürger, sich aktiv für den Erhalt des ländlichen Raumes einzusetzen. Investitionen wie z.B. in eine Bundesgartenschau, würden doppelt wieder eingespielt werden. Man dürfe allerdings nicht die reine BUGA Zeit betrachten, so Dr. Tiemann.

Helmut Selders, Präsident Bund deutscher Baumschulen (BdB), hob die Bedeutung von Bäumen hervor: „sie sind ein Kulturgut in Kommunen und gehören zu einer intakten Dorfgemeinschaft dazu. Kies- und Schottergärten sind hingegen eine unschöne Modeerscheinung.“ Leider falle Menschen erst nach Fällaktionen auf, wie wichtig ihnen Bäume sind. Hinzu kommt, dass Kommunen immer weniger Bäume pflanzen. „Gestaltetes Grün ermöglicht den Menschen eine lebenswerte Umgebung“, so BdB Präsident Selders.

„Mein Dank gilt insbesondere den Politikern, die es ermöglicht haben, dass für grüne Infrastrukturmaßnahmen 50 Millionen Euro an Fördermitteln bereitgestellt wurden“, begann Dr. Robert Kloos, Hauptgeschäftsführer des Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), sein Statement. Er betonte die Bedeutung des Weißbuches „Grün in der Stadt“, woraus sich konkrete Maßnahmen für die Entwicklung für Grünflächen ergeben werden. Dr. Kloos verwies auf die Landschaftspflege, infolge dessen sich die Attraktivität von Kommunen und ländlichen Gebieten erhöhe.

Interessante Einblicke auf den psychologischen Einfluss von Natur und Grünflächen gab Prof. Dr. Peter Schmuck von der Universität Göttingen: „Es gibt zahlreiche positive Beispiele aus dem ländlichen Raum. Modellregionen sind eine gute Möglichkeit, um verschiedene Maßnahmen und Ansätze zu präsentieren. Es können Einnahmen wie z.B. durch erneuerbare Energie generiert werden und wieder für die Menschen vor Ort investiert werden.“

Hans Müller, Landwirt und Beigeordneter der Stadt Herxheim in der Pfalz, plädierte für mehr Eigeninitiative von Bürgern und Kommunen und stellte das Projekt „In Herxheim blüht uns was“ vor. Hier haben 15 Landwirte in Eigeninitiative rund 50 ha Blühflächen zur Förderung der Biodiversität in der Gemarkung angesät.

In der sich anschließenden Diskussion, moderiert von ARD Gartenexpertin und DGG-Vizepräsidentin Heike Boomgaarden, äußerten sich die zahlreichen politischen Vertreter des Abends. Willi Brase (SPD) verwies auf das Zusammenwirken mit der Wirtschaft im ländlichen Raum: „Arbeitsplätze sind ein Anker für die Menschen. Werden Menschen ermuntert sich einzubringen, können die Grünflächen in Kommunen auch entsprechend in Szene gesetzt werden.“ Johann Saathoff (SPD) forderte eine öffentliche Förderung für die Schaffung von grüner Infrastruktur, denn „Kommunen seien häufig nicht dazu in der Lage“. Auch schaffe die Energiewende im ländlichen Raum enormes Potenzial, welches es noch zu nutzen gilt.

Den Abend fasst DGG Präsident Prof. Dr. Klaus Neumann zusammen: „Grüne Infrastruktur zu schaffen und zu erhalten, ist eine enorme Herausforderung. Wir als DGG 1822 werden am Thema weiter dranbleiben. Wie so oft zeigt sich auch hier, dass es auf die Menschen in den Kommunen ankommt, etwas verändern zu wollen. Allerdings ist die Politik aufgefordert, die entsprechenden Mittel hierfür bereitzustellen. Der Dialog über die Entwicklung von Dorf und Grün hat erst begonnen!“


Politische Meldungen der letzten Woche

Standortübergreifende Forschungsfragen in die Praxis übertragen

HortInnova-Ergebnisworkshop am 4. und 5. April 2017 in Berlin

(ZVG) Im Rahmen des Ergebnisworkshops zur "Forschungsstrategie für Innovationen im Gartenbau - HortInnova" diskutierten Akteure aus Gartenbau und Gartenbauwissenschaften am 4. und 5. April 2017 an der Humboldt-Universität zu Berlin die Entwicklung der Forschungsstrategie für den Gartenbau.

Um die Gartenbaubranche langfristig zukunftssicher und wettbewerbsfähig zu machen, wurde das HortInnova-Projekt im November 2015 vom Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) initiiert. Der Zentralverband Gartenbau e. V. (ZVG) begrüßt die Initiative und beteiligte sich von Beginn an in allen Gremien des Projektes.

Stakeholder gärtnerischer Wertschöpfungsketten definierten im Rahmen des Projektes gemeinsam fünf, für die Zukunftsfähigkeit des deutschen Gartenbaus entscheidende, strategische Forschungsfelder. Diese reichten von der Erhöhung der Wertschöpfung des Gartenbausektors, über innovative Pflanzenschutz- und Züchtungsstrategien, der Anpassung gartenbaulicher Produktionssysteme, Nachhaltigkeit und Unternehmensführung in gartenbaulichen Wertschöpfungsketten bis hin zu urbanem Gartenbau.
„Nach Beendigung des Projektes wünschen wir uns als Berufsstand, dass die Ergebnisse seitens BMEL in standortübergreifende Forschungsfragen münden, die von der Wissenschaft beantwortet und in die Praxis zeitnah übertragen werden können“, resümierte der ZVG-Vizepräsident Hartmut Weimann.


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