Netzwerk auf 33 Forschungseinrichtungen erweitert
2. Forschungsforum Landschaft widmete sich dem Stadtgrün / Wissensmanagement
mit „hortigate“
(FLL/ZVG) Am 4. und 5. Februar fand in der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau
und Gartenbau in Veitshöchheim zum zweiten Mal das unter Federführung
der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau (FLL) organisierte
Forschungsforum Landschaft statt.
FLL-Präsident Dr. Karl-Heinz Kerstjens begrüßte fast 80 Teilnehmende,
die zum Leitthema „Stadtgrün 2025 – Chancen und Herausforderungen“ gekommen
waren. In drei Veranstaltungsteilen präsentierten und diskutieren Referenten
Themen und neue Forschungsergebnisse zu Stadtgrün im Klimawandel, Wissenschaftsmanagement
und die Umsetzung umweltbezogener EU-Richtlinien in die deutsche Rechtspraxis.
„Weitere fünf Forschungseinrichtungen haben sich in diesem Jahr zusätzlich
in die For-schungslandschaft eingebracht, 33 sind es nun insgesamt“, stellte
Dr. Kerstjens in seiner Betrachtung des 1. Forschungsforums 2008 und des aktuellen
Sachstandes dar. Alle Daten, die von Forschungsinstituten über ihre Arbeit
und Personen in einem Erhebungsbogen erfasst worden waren, hat die FLL in einige übersichtliche
Tabellen zusammengeführt.
Leider war der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth, kurzfristig
erkrankt, so dass der Text seines Impulsvortrages verlesen werden musste. Er beinhaltete
einen breiten Überblick über mit dem Klimawandel erwartete Veränderungen
in unseren urbanen Räumen; Positionen zum Thema Feinstaub; hohe Wertigkeit
von Grün in verdichteten Bereichen im Allgemeinen mit Forderung nach mehr Stadtgrün.
Hierzu bedarf es aus Sicht des UBA weiterer Forschungen.
Anschließend berichtete die Klimatologin Professor Dr. Gisela Völksch über
die klimatischen Aspekte, die bei der Konzipierung von Klimaanpassungsmaßnahmen
unbedingt berücksichtigt werden sollten. Dabei sollten weniger die Durchschnittswerte
als vielmehr die Häufigkeiten von Klimaereignissen eine Rolle spielen, weil
diese meteorologische Ereignisse viel genauer beschreiben als langjährige Mittelwerte.
Es müsse davon ausgegangen werden, dass mit strengen Wintern zu rechnen ist,
auch wenn vielleicht nur noch selten. Insofern sei es eine Täuschung zu glauben,
unsere Vegetation könnte zukünftig von frostempfindlicher mediterraner
Flora dominiert sein.
Anhand eines Vorhabens zu Städtischen Grünsystemen im Kontext des Klimawandels
berichtete Stefanie Rößler vom Leibniz-Institut für ökologische
Raumentwicklung (IÖR), Dresden, über erste Ergebnisse und Empfehlungen
für die Planung und das Management von Freiräumen mit Blick auf ihre unterschiedlichen
klimatischen Ausgleichsfunktionen.
Professor Dr. Hartmut Kenneweg (LUP-Luftbild Umwelt Planung GmbH) schilderte Entwicklungen
des Städtischen Grünvolumens in Potsdam seit der Wiedervereinigung. Die
Anwendung eines neuen Analyseverfahrens ermögliche eine flächendeckende
und kostengünstige Erfassung des Grünvolumens innerhalb kurzer Zeit.
Ein „Aktionsplan Alleen“ für den Landkreis Barnim präsentierte
Professor Dr. Jürgen Peters von der Fachhochschule Eberswalde. Viele Kriterien
würden in einer umfangreichen Datenbank berücksichtigt, sie erlaubten
dadurch sachgerechte Ableitungen eines Handlungsbedarfes.
Welche Arten im Angesicht des Klimawandels gute Verwendungsmöglichkeiten hätten,
un-tersucht derzeit Susanne Böll von der LWG Veitshöchheim. Es werden
20 verschiedene Baumarten getestet, von denen nur zwei als heimisch bezeichnet werden
können, u. a. die Hainbuchensorte „Frans Fontaine“.
Professor Dr. Hartmut Balder von der Beuth Hochschule Berlin stellte Untersuchungen
zum Einsatz von Unkrautvliesen bei der extensiven Pflege von Grünanlagen vor.
Mit überraschenden Ergebnissen wartete Dr. Achim Friedrich, Präsident
des Bundesverban-des Deutscher Gartenfreunde (BDG), auf. Seine Organisation hatte
in fast allen Bundesländern Untersuchungen zur Biodiversität von Haus-
und Freizeitgärten durchgeführt. An 83 Kartierungsstandorten wurden mehr
als 2.000 Kulturpflanzenarten und mehr als 1.500 Sorten gefunden.
Sebastian Wolter von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden informierte über
ein neues Fassadenbegrünungssystem, das schnell und unabhängig von bewachsenem
Boden begrünen kann.
Moderiert wurde der erste Veranstaltungstag von Prof. Dr. Bettina Oppermann.
Alessandra Kreibaum vom Verlag Eugen Ulmer führte in den Themenblock Wissensmanagement
ein. Ihre wohl wichtigste These, dass derzeit auch in der Landschaftsarchitektur
zwischen Wissenschaft und Praxis nur wenige Überlappungen bestehen, konnten
ihr die Anwesenden bestätigen. Dies in Zukunft zu ändern, ist ein wichtiges
Aufgabenfeld des Forschungsforums. Unter Moderation von Dr. Kerstjens wurden viele
Aspekte diskutiert; man merkte deutlich, dass die Teilnehmer von diesem Thema berührt
waren.
Professor Dr. Richard Stiles stellte das „Le:Notre-Projekt“ vor, das
er an der TU Wien koordiniert und in dem alle interessierten Hochschulen weltweit
kooperieren können.
Aktuelle Beispiele zum Wissensmanagement in der Pflanzenverwendung präsentierte
Frithjof Gutberlet mit dem Netzwerk „Hortigate“, das der Zentralverband
Gartenbau (ZVG) mit dem inhaltlichen Schwerpunkt zur Unterstützung der Praxisfachberatung
aufgebaut hat.
Eine bereits seit 1994 funktionierende Kooperation der Lehr- und Versuchsanstalten
im Be-reich Landespflege beschrieb Dr. Philipp Schönfeld von der LWG Veitshöchheim.
Hier kooperieren die Beteiligten jährlich ihre Forschungsergebnisse nach strengen
Vorgaben als „Versuche in der Landespflege“ und veröffentlichen
sie seit 2002 über die FLL sowie über „Hortigate“.
Konkrete Forderungen nach einer einwandfreien Kommunikation stellte Marcel Heins
von der Hochschule Anhalt für Strategien und Maßnahmen zur Weiterentwicklung
des Informations- und Wissensmanagement. Alle Daten müssten nach einheitlichen
Vorgaben aufbereitet und möglichst frei verfügbar gemacht werden, damit
vielen Forschern wie Anwendern Verknüpfungen und Ableitungen ermöglicht
werden.
Im dritten Workshop ging es dann um die Integration Europäischer Richtlinien
in die deut-sche Rechtspraxis und deren Auswirkungen. Einen breit angelegten Überblick
gab Dr. Alfred Herberg vom Bundesamt für Naturschutz, das die Schirmherrschaft über
das 2. Forschungs-forum übernommen hatte. Er ging auf Änderungen ein,
die aufgrund der EU-Richtlinien in deutschen Gesetzen nötig geworden waren,
vor allem im Bundesnaturschutzgesetz.
Über die Umsetzung der Feinstaubrichtlinie und die Umsetzung der FFH-Richtlinie
in Dortmund berichtete Umweltamtsleiter Dr. Wilhelm Grote. Bei der Luftreinhaltung
ergaben sich Konsequenzen in Form von erweiterten Messprogrammen, Aktionsplänen
sowie in der Kommunikation. Im Zusammenhang mit der FFH-Richtlinie beschrieb Dr.
Grote ein Projekt, in dem Befürchtungen ausgeräumt werden konnten, dass
Artenschutz zwingend eine Bremse für die industrielle und gewerbliche Flächenentwicklung
darstellt.
An konkreten Beispielen aus dem Amtsalltag berichtete Dr. Thomas Keller von der
Regierung von Unterfranken sehr anschaulich über Konsequenzen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie
und der Wasserrahmenrichtlinie. Sein Kollege aus der Wasserwirtschaft, Dr. Heribert
Januszewski, schilderte die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Bayern.
Die Anwesenden waren sich einig, dass das 3. Forschungsforum Landschaft 2012 in
zwei Jahren unbedingt stattfinden soll. Als Tagungsort ist dann Osnabrück geplant.
Eine ausführlichere Darstellung der Vorträge sowie die aktuellen Übersichten über
die Forschungseinrichtungen sind unter http://www.fll.de/Presse-News.10.0.html sowie http://www.fll.de/Forschungsforum-Landschaft.27.0.html zu
finden.
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