Herbsttagung beleuchtete viele Aspekte des Gemüsebaus
Referenten gaben Ausblicke in zukünftige Entwicklungen und analysierten aktuelle Lage (ZVG) „Deutscher Gemüsebau - Zukunft schaffen!“ Unter diesem Motto stand die 44. Herbsttagung des deutschen Gemüsebaus, die vom 18. bis 21. November in Papenburg unter der Leitung des Fachgruppen-Vorsitzenden Gerhard Schulz stattfand. Trotz schwieriger Marktlage in diesem Jahr seien auch positive Signale zu verzeichnen gewesen, betonte er. Und weiter forderte er: „Wir müssen die Erzeugermacht beispielsweise durch Bündelung der Ware erhöhen und die Konsumenten für uns gewinnen!“ Christian Schmidt, Behr AG, schilderte in seinem Vortrag, dass die EU einen Selbstversorgungsgrad von 95 Prozent bei Gemüse habe. In Deutschland sei dieser mit 36,5 Prozent deutlich steigerungsfähig. Die Macht des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) sei gestiegen. Dabei ginge es im LEH um das „Überleben der Giganten“ in der EU. „Wachsen statt Weichen“ sei vielfach das Motto. Bei der Bioware verlangsame sich der Wachstumsabsatz. Rudolf Deitert von der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg referierte detailliert über das mögliche veränderte Verbraucherverhalten, sofern es den Gemüseverzehr in Deutschland betrifft. Er stellte klar: „Wenn der Preis fällt, geht die Menge nicht nach oben. 50 Prozent des Gemüses wird in Deutschland über Discounter verkauft“. Die Bedeutung der Discounter werde langfristig weiter wachsen. Kurzfristig und aktuell zeigten sie jedoch eher Schwächen. Für den Einzelhandel seien Obst und Gemüse die wichtigsten Produkte. Hier würden die meisten Einzeleinkäufe getätigt. Bei jedem zweiten Einkauf würden auch Obst und Gemüse erworben. Gemüse liegt nach Deitert im „Megatrend“ und die Verbrauchsstimmung sei aktuell - trotz kritischer Wirtschaftszahlen - noch nicht eingebrochen. Die Frische-Käufer - insbesondere im Gemüsebereich – seien überproportional krisenresistente Haushalte. Diese Chance gelte es zu nutzen. Professor Dr. Wolfgang Bokelmann von der Humboldt Universität Berlin zur Entwicklung der Wettbewerbssituation: „Der Strukturwandel im Gemüsebau läuft seit 40 Jahren weitgehend kontinuierlich und ist keine ganz neue Erscheinung. Der Wachstumswettbewerb lief lange Zeit friedlich. Daraus ist heute ein Verdrängungswettbewerb entstanden mit einem enormen Wachstum der Großbetriebe, gepaart mit starken Preisschwankungen, die die Lage erschweren.“ In den veränderten Wertschöpfungsketten bis zum Lebensmitteleinzelhandel sieht Bokelmann einen wichtigen Grund für den Strukturwandel. Karl Voges, Geschäftsführer der Gartenbauzentrale Papenburg, stellte in seiner Analyse fest, dass die diesjährige sehr schlechte Preissituation mehrere Ursachen habe. So sei neben der Niedrigpreispolitik des LEH auch die ungleiche Förderpolitik der EU zu nennen. Dr. Hans-Christoph Behr stellte die neue AMI (Agrarmarkt Informations-Gesellschaft GmbH) mit Sitz in Berlin und Bonn vor. Die AMI biete eine aktuelle und unabhängige, sachkompetente Berichterstattung, die auch zur Planungsgestaltung genutzt werden kann. Das Erstellen von Prognosen und Beratungstätigkeiten sei ebenfalls im Angebot. Niedersachsen ist das bedeutendste Bundesland für die Spargelkultur. Aber auch der Anbau von Eissalat, Grünkohl und Topfkräuter spielten eine große Rolle. Darauf wies Dr. Horst zum Eschenhoff von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in seinem Vortrag zum Gemüsebau in Niedersachsen hin. Friedrich-Otto Ripke, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung in Hannover, sicherte zu, sich dafür einzusetzen, Wettbewerbsunterschiede in der EU abzubauen. Denn diese seien im Falle der Versicherungssteuer bei der Mehrgefahrenversicherung in Höhe von 19% EU-weit einsame Spitze (s. separater Artikel). In ihren Grußworten betonten die Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann (CDU) und Hans-Michael Goldmann (FDP) die wirtschaftliche Bedeutung des Gartenbaus in und um Papenburg. Sie dankten außerdem für die bisherige gute und kreative Zusammenarbeit im Sinne der Wirtschaft und der im Gemüsebau arbeitenden Menschen und deren Unternehmen. Die Delegierten würdigten das Engagement der Menschen, die bei der anonymen Datenerfassung zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln 2009 im Gemüsebau (NEPTUN Gemüsebau 2009) alle erforderlichen Daten vor Ort erfasst haben. Dies sei ein wichtiger und konstruktiver Beitrag zum nachhaltigen und umweltschonenden Pflanzenschutz in Deutschland. Zur Abrundung dieser 44. Herbsttagung fand die Besichtigung des Gemüsebaubetriebes von Wolfgang Mählmann in Cappeln statt. Gastgeber der Herbsttagung waren der Fachverband Gemüsebau im Wirtschaftsverband Gartenbau e.V. und die Gartenbauzentrale Papenburg eG. Die einzelnen Referate stehen als Download im Internet unter www.gemuesebau.org zur Verfügung.
Autor: Pressestelle
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